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Dämonen und Deutungen - Nachlese der Podiumsdiskussion am 10. Oktober

Am internationalen Tag der psychischen Gesundheit luden wir zusammen mit dem evangelischen Bildungszentrum Hospitalhof Stuttgart zum Podiumsgespräch mit dem Titel „Dämonen in der Psychiatrie“. Der gut besuchte Abend zeigte, dass unsere Veranstaltung offenbar ein wichtiges Thema aufgegriffen hat. Und schnell wurde auch deutlich, dass es ein weites Feld öffnet – es wurden so viele spannende Fragen und Einblicke ermöglicht, die sich hier gar nicht zusammenfassen lassen!
Doch in einem Punkt waren sich die fünf Expert*innen aus den Bereichen Psychiatrie und Religion auf dem Podium einig: Erst einmal geht es darum, den Menschen mit all seinen spirituellen Fragen, emotionalen Bedürfnissen und Glaubensüberzeugungen anzunehmen. Das gilt kontinentübergreifend: Sowohl in Deutschland als auch in Westafrika ist es wichtig, die Interpretationen des Gegenübers, auch wenn sie noch so abwegig erscheinen, zuzulassen.

Kaum Unterschiede zwischen Deutschland und Westafrika

In der Diskussion, die Hospitalhofleiterin Monika Renninger moderierte, ging es sowohl um falsch verstandene Deutungen psychischer Krankheiten als auch um den Wunsch, Psychiatrie ganzheitlich anzugehen. Die Referenten und Podiumsteilnehmer*innen unterstrichen dabei das zentrale Anliegen, den Patient*innen, aber auch ihren Angehörigen auf Augenhöhe zu begegnen und auf bestehenden Ressourcen aufzubauen – zu denen auch Religion, spirituelle Angebote und Glaubensgemeinschaften zählen. Natürlich sprachen sie ebenso „Risiken und Nebenwirkungen“ an, z.B. wenn religiöse Überzeugungen oder Normen als Bedrohung wirken oder den Genesungsprozess behindern. Die anschaulichen Beispiele aus Deutschland und Westafrika zeigten dabei verschiedene Ausprägungen, welche Rolle die Religion in der Heilungsgeschichte psychisch erkrankten Menschen spielen kann: „Behandlung“ durch Gebete in evangelikalen Gebetszentren, Seelsorgeangebote und Andachten in der Klinik, Divination mit Kauri-Muscheln …

Dennoch: Trotz kultureller Unterschiede, unterschiedlicher Geschichte und unterschiedlicher Ressourcen wurde an vielen Stellen erkennbar, dass die Unterschiede zwischen Deutschland und Westafrika letztendlich geringer sind als zunächst einmal erwartet.  Das sehr interessierte Publikum beteiligte sich rege an der anschließenden offenen Gesprächsrunde.